Zusammenfassung zu Geschichte, Grundsätzen und Ethik der Bahá'í-Religion

Die Bahá'í-Religion hatte bei ihrer offiziellen Stiftung im Jahre 1863 bereits eine 70jährige Vorgeschichte hinter sich: Die Schaykhi-Bewegung versuchte seit 1793 den Islám zu reformieren und seine Anhänger auf das Eintreffen endzeitlicher Verheißungen vorzubereiten. Sie mündete 1844 in die Stiftung der Religion des Báb, eines Nachkommen des Propheten Muhammad. Seiner eigenen Religion sagte der Báb nur kurzen Bestand voraus, denn diese werde in derjenigen Bahás aufgehen. Fast von Anfang an war auch ein Nachkomme der iranischen Sassaniden-Herrscher Anhänger dieser Bewegung und wurde bald nach der Hinrichtung des Báb (1850) als ihr eigentlicher Leiter angesehen, den man Bahá'u'lláh – ”Herrlichkeit Gottes” - nannte. Er wurde vom Iran in den Irak, von dort in die heutige Türkei und schließlich nach Nord-Palästina verbannt, weshalb sich viele Heilige Stätten der Bahá'í auf diesem Verbannungsweg befinden, insbesondere im Gebiet der Städte Haifa und Akka. Ein Sohn Bahá'u'lláhs, dessen testamentarisch ernannter Nachfolger 'Abdu'l-Bahá, unternahm zwischen 1910 und 1913 ausgedehnte Reisen über Ägypten nach Europa und Nordamerika, wobei in Deutschland Stuttgart, Esslingen und Bad Mergentheim zur Reiseroute gehörten.

Baha in Paris

Als ‘Abdu'l-Bahá 1921 verstarb, war sein Enkel Shoghi Effendi testamentarisch zum Nachfolger und ”Hüter der Sache Gottes” ernannt worden. Dieser baute nun die internationale Bahá'í-Verwaltungsordnung mit Nationalen und örtlichen geistigen Räten auf, welche aus jeweils neun alljährlich zu wählenden Personen bestehen. Als der Hüter 1957 starb, leitete zwischenzeitlich eine Gruppe von herausragenden Gläubigen - so genannte ”Hände der Sache Gottes”, welche Shoghi Effendi selbst berufen hatte - die Bahá'í-Weltgemeinde. 1963 wurde dann erstmals das von Bahá'u'lláh vorgesehene Universale Haus der Gerechtigkeit durch die 56 damals existierenden Nationalen Geistigen Räte gewählt (heute existieren 188!), welches jetzt und in die fernere Zukunft hinein die Weltgemeinde leitet, außerdem alle fünf Jahre neu zur Wahl steht.Bahai Haus der Gerechtigkeit

Weltweit gibt es über 5 Millionen, in Deutschland knapp 6.000 Bahá'í. Diese sollen sich um Folgendes bemühen: Freies Forschen nach Wahrheit; Ablegen aller Vorurteile; Gleichwertigkeit der Geschlechter; Gleichheit aller vor Gesetzen (Gerechtigkeit); den internationalen, höchsten Gerichtshof; ausreichenden Lebensunterhalt, Erziehung und Ausbildung für alle; Nichteinmischung der Religion in Parteipolitik; Übereinstimmung der Religion mit Vernunft und Wissenschaft; Religion als Ursache von Einigkeit und Liebe; Erkenntnis des gemeinsamen Ursprunges aller Religionen; Schutz und Führung durch den Heiligen Geist und den von diesem ausgehenden ”Geist des Glaubens”; Welthilfs- und später Weltsprache; Einheit der Menschheit mittels Weltstaatenbund; Universalen Frieden.

Bahai Haus der Andacht

Zur Ethik der Bahá'í-Religion lässt sich Folgendes aussagen:

  • Sie steht unter dem Einheitsprinzip, indem man das Wohl der ganzen Menschheit in persönliche Pläne einbeziehen sollte.
  • Geistige Entwicklung findet durch Gebet, Meditation und gute Taten statt.
  • Reinheit und Gesundheit im seelisch-geistigen und körperlichen Bereich sind anzustreben, auch um die Tatkraft zu stabilisieren bzw. zu verbessern, denn Arbeit ist Gottesdienst, wenn diese der Allgemeinheit nützt.
  • Bildung gilt als Weg zur Vervollkommnung – gute Absichten vorausgesetzt.
  • Erziehung ist wesentlich, auch da eine Gesellschafts- und Gesetzesordnung erst dann nachhaltig greift.
  • Die Familie ist eine wichtige Kernstruktur der Gesellschaft.
  • Beratung soll allgemeine Grundlage der Kommunikation und von gemeinsamen Entscheidungen werden.
  • Soziales und maßvolles Wirtschaften (z. B. Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter in Unternehmen bzw. Berücksichtigung von Natur- u. Umweltschutz) sollen verwirklicht werden.
  • Förderung des allgemeinen Verständnisses für die Einheit im Sinne einer umfassenden Menschheitsfamilie sowie friedlicher, gerechter und weltweiter Gesellschaftsordnung.

Bahai Symbole

 

 

 

Literatur zum Weiterlesen:

 

 


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Empfohlene Zitierweise:

Sturm-Berger, Dr. phl. Michael (2018): Zusammenfassung zu Geschichte, Grundsätzen und Ethik der Bahá'í-Religion, in: Geschichte und Archäologie [online], ISSN 2569-6343, https:https://www.geschichte-archaeologie.de/index.php/wissenswertes/47-zusammenfassung-zu-geschichte-grundsaetzen-und-ethik-der-baha-i-religion

 

 

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